Unterstützung von zugewanderten und geflüchteten Familien

Flucht und Migration bringen für Familien tiefgreifende Veränderungen mit sich. Um im Aufnahmeland anzukommen, müssen sie sich neu orientieren und stabilisieren. Die Erziehungspersonen stellen dabei für die Kinder einen wesentlichen Schutzfaktor dar, wenn sie eine stabile Beziehung und verlässliche Unterstützung bieten.
Die Auswirkungen für geflüchtete und zugewanderte Kinder sind oft dramatisch, wenn die familiären Beziehungen durch Gewalt und Missbrauch geprägt sind.
Für eine wirksame Gewaltprävention und -intervention ist der Einbezug der Lebenswelten und -lagen von geflüchteten und zugewanderten Familien sehr wichtig. Bei der Begleitung von einzelnen ist der systemische Blick auf die Familienbeziehungen oft ein wichtiger Schlüssel.

In dieser Lernressource lernen Sie, ...

  • ... welche Auswirkungen Flucht und Migration auf Familien und auf Gewalt in Familien haben können.
  • ... welche unterschiedlichen Verständnisse von Familie es geben kann.
  • ... welche Bedeutung die Entwicklungsphasen, die Bindungstheorie und die Erziehungsstile für die Gewaltprävention haben.
  • ... welche Formen von Gewalt gegen Kinder es gibt und welche Folgen diese haben kann.
  • ... welche Ansatzpunkte zur Gewaltprävention bei der Arbeit mit Familien mit Migrations- und Fluchterfahrung von Bedeutung sind.
  • ... welche Aspekte bei einer kultursensiblen Beratung zu berücksichtigen sind.

Die Lebenssituation geflüchteter und zugewanderter Familien

Rahmenbedingungen der Aufnahmesituation

Die familiären Lebensbedingungen nach der Ankunft in Deutschland sind stark durch die Rahmenbedingungen der Aufnahmesituation geprägt.

Es gibt große Unterschiede bei

  • den Möglichkeiten der medizinischen Versorgung
  • den Möglichkeiten der Arbeitsaufnahme bzw. des Schulbesuchs
  • der Dauer der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften.

Diese hängen u.a. ab vom Einreisezeitpunkt, dem Herkunftsland, den Bleibeperspektiven und von Ort und Art der Unterbringung.

Die Lebensbedingungen nach der Ankunft ...

… haben einen Einfluss auf die Möglichkeiten, Stress und psychosoziale Belastungen zu bewältigen sowie auf das Risiko für Gewalt. 

Schulsituation

Bei Schulen bzw. Klassen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Zuwanderungsgeschichte, kann der Mix aus verschiedenen kulturellen Werten zu einer Desorientierung führen. Die Gewalttendenz der Kinder kann sich erhöhen.

Diskriminierung

Familien mit Flucht- und Migrationserfahrung haben ein erhöhtes Risiko diskriminiert zu werden. Dies kann sowohl in der Öffentlichkeit als auch institutionell und strukturell sein. Diskriminierung wird z. B. bei der Arbeit/Arbeitssuche, in der Schule oder beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen erlebt.

Abhängigkeiten triggern

Insbesondere zu Beginn bestehen viele äußere Abhängigkeiten. Immer wieder verändern sich die rechtlichen Regelungen, z. B. in Bezug auf die Bleibeperspektive oder den Familiennachzug. Diese Ohnmachtserfahrungen sind insbesondere für Menschen mit Traumafolgestörungen sehr belastend. Bereits erlebte überwältigende Ohnmachtsgefühle können wieder aktualisiert werden.

Trennung und Verlust

Aus bindungstheoretischer Sicht bräuchten Menschen, die ungewollt von für sie wichtigen Menschen und von ihrem Zuhause getrennt wurden, im Aufnahmeland einen „sicheren Hafen“. Dieser wäre wichtig, um körperlich und emotional Wohlbefinden und Stabilität zu ermöglichen. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht gewährleistet.